METAGAME
Hintergründe rund ums Turnierspiel

Star Trek Nemesis
Ansichten eines enttäuschten Fans
Nun - natürlich kann ich hier nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Manche werden den Film sensationell finden; andere wieder total schlecht. Wie war er wirklich? Kaum zu sagen, weil Geschmäcker eben verschieden sind.

Gestern habe ich mich also um Mitternacht ins Kino begeben - wie man das als artiger Star Trek-Fan so tut. Bereits durch Berichte aus USA vorgewarnt habe ich meine Erwartungen zurückgeschraubt. Allerdings - als B.A. Straubinger den Film gestern "nur" 5 Punkte gegeben hat, dachte ich mir: "So schlecht wird er ja wohl doch nicht sein". Leider - und das muß ich jetzt zugeben - ist der Film für mich mit 5 Punkten noch ganz gut weggekommen...

Ich erinnere mich an die Fed Con vor - ich glaube - 2 Jahren, als Marina Sirtis unter anderem aufgetreten ist. Naturgemäß wurde sie damals auf einen möglichen neuen Star Trek Film angesprochen. Marina hat uns damals versichert, daß das der letzte Film der TNG-Crew werden würde und daß er aus diesem Grund supertoll werden sollte. Die TNG-Crew sollte mit einem "Big Bang" abtreten. Vielleicht war das nur eine Hoffnung von ihr - auf jeden Fall habe ich mir einen "Big Bang" à la First Contact erhofft. Leider wurde ich enttäuscht.

Ich gestehe offen und ehrlich, daß ich mich total bemühen mußte, nicht einzuschlafen. Natürlich - es war schon spät - aber ihr könnt versichert sein, wäre etwas mehr Spannung drin gewesen, dann schläft man nicht ein. Man blickt auch nicht dauernd auf die Uhr und hofft, daß es bald vorbei ist.

Woran hat es gelegen? An den Schauspielern? Wohl eher nicht. Ich könnte nicht sagen, daß einer der Schauspieler eine schlechte Leistung geboten hat. Für mich liegt die Langeweile begründet in zwei Bereichen:

#1: Lieblose Regie
#2: Miserables Drehbuch

ad 1: Natürlich - das letzte Drittel des Films war geprägt von Action-Szenen und dem großen Schiffskampf. Technisch auch gut gemacht. Allerdings konnte der Teil den Rest des Filmes nicht mehr retten. Die Lieblosigkeit, mit der dieser Dilletant Regie geführt hat, merkt man besonders in folgenden Szenen:
  • Die Hochzeitsszene zwischen Will und Deanna. Wir TNG-Fans haben lange darauf gewartet. Wir haben sie jetzt gesehen. Aus meiner Sicht völlig gefühls- und herzlos inszeniert. Eine derartige Szenen hätte Kitsch, Pathos und Tränen gefordert. Stattdessen war es eine kühle Abhandlung der Sache. Uns wurde diese Szene gezeigt wie wenn man auf QVC eine neue Autopolitur gezeigt bekommt.
  • Langatmige Szenen und Schnitte während der ganzen Shinzon-Picard-Passage. Die killen jeden Action-Film. Nicht nur, daß sie uninteressant waren; sie waren anspruchslos in jeder Hinsicht.Die Dialoge waren flach und die optische Umsetzung - naja - finstere, kahle Kulisse - was hätte einem da aufregen sollen? Was das betrifft: Da ist Nemesis direkt mit TMP vergleichbar.
  • Data stirbt. Okay, wir wußten das. Aber wie? Data sirbt schnell - er entscheidet sich, schickt Picard zurück und fliegt mit diesem Schiff in die Luft (vielleicht war das der "Big Bang", mit dem die TNG-Crew lt. Marina Sirtis abtreten wollte?). Danach stößt Picard mit der verbliebenen TNG-Crew mit einem Glas Wein an, trinkt auf nicht anwesende Freunde (oder so) und Will erzählt eine lahme Anekdote (wie er Data zum ersten Mal auf dem Holodeck traf und dieser zu pfeifen versuchte, es aber nicht schaffte). DAS WAR DAS ENDE VON DATA. Data, der uns über fast 180 TV-Episoden und 3 Filme ein treuer Begleiter war. Das war echt schwach. Ohne Pathos kann man sowas nicht machen. Soetwas gehört inszeniert, daß die Leute im Kino wie die Schloßhunde heulen. Nicht "Klappe zu - Data tot.". Das war die größte Schande, die ich je auf einer Leinwand miterlebt hatte.
    Ich muß eines ganz ehrlich sagen: Als Picard in der TNG-Episode "Lower Decks" die Crew von Sito Jaxa's Tod informiert ("..It is my sad duty to inform you that a member of the crew, Ensign Sito Jaxa, has been lost in the line of duty. She was the finest example of a Starfleet officer, and a woman of remarkable courage, and strength of character. Her loss will be deeply felt by all who knew her. ...") - das war bewegend. Keine Große Sache, keine große Inszenierung. Aber bewegend. Für mich auch heute nach der x-ten Wiederholung noch bewegend. Es hätte den Leuten wirklich was besseres einfallen können, um Data einen würdigeren Abgang zu verschaffen. Irgendwas pathetisches. Data hätte beispielsweise sicherlich eine Nachricht für seine Kameraden für den Fall seines Todes hinterlassen; etc.

ad 2: Das Drehbuch war offenbar ehrlos mies. Es war durchsichtig, simpel und banal. Es bot keinen Raum für Überraschungen. Auch ohne den Spoilers, die zuvor bereits veröffentlicht waren, war völlig klar, was passieren würde. Die Charaktere waren einfacher gezeichnet als in einem Kinderfilm -durchaus vergleichbar mit einer Disney-Verfilmung. Bei "Tarzan" weiß man auch nach der ersten Szene, wie die Show ausgeht.

Neben diesen beiden Hauptschwachpunkten - ich frage mich immer noch, warum sich Paramount eingebildet hat, einen Regisseur und einen Drehbuchautor zu verpflichen, die beide von ST keinen Dunst zu haben scheinen, obwohl sie über ausreichend ST-erfahrene Leute verfügen müssen - gibt es auch noch einige handlungsmäßige Hänger. Hier nur einige beispielhaft:
  • Wesley Crusher. Bitte, warum wird das Auge des Kinogehers mit Wesley beleidigt? Gottseidank hat er nichts zu sagen, aber warum sitzt er bei der Hochzeitsfeier überhaupt am Tisch? Ist er nicht mit dem Reisenden mitgegangen? Aber offenbar hat er die Akademie doch abgeschlossen; denn er sitzt ja da in einer Gala-Uniform. Die Mehrzahl der ST-Fans mag Wesley nicht. Sie ärgert der Auftitt des kleinen Präpotenzlings. Die Minderheit, die Wesley mag, wird aber ebenfalls enttäuscht sein - denn mehr als blöd lächeln darf er nicht. Er hat keinen Text. Wen also wollte man mit diesem "Gag" befriedigen? Die Leute, denen Wes egal ist?
  • Die Szene mit dem komischen Jeep: Okay, dieses Fahrzeug ist Schwachsinn, aber wahrscheinlich dachte einer der Macher, es wäre cool.
  • Datas Bruder. "Bevor" kommt ins Spiel. Nun wissen wir es - Dr. Soong hat vor Data und Lore noch einen Andoriden gebaut - Bevor. Bevor ist allerdings ein kleines Depperl. Wie kam Bevor in die Hände der Romulaner? Woher wußten die Romulaner, daß gerade Picard auf den Planeten gehen würde, um diesen zu suchen. Sehr gekünstelt. Aber abgesehen davon - soviel wir gehört haben, wurde der Tod Datas inszeniert, weil Brent Spiner es so wollte. Er glaube nicht daran, daß er, der älter und dicker wird, noch länger Data glaubwürdig darstellen könnte. Das ist so weit ja nachvollziehbar. Aber wozu Bevor? Wenn es keinen 11. Film gibt, wozu Bevor? Da wäre Data einfach so gestorben. Und wenn es einen 11. Film geben sollte - mit Bevor - würde den dann nicht auch Brent Spiner spielen müssen? Ist dann sein Alter und Gewicht plötzlich glaubwürdiger?

Ich könnte noch länger fortsetzen, aber lassen wir's gut sein. Jeder soll sich selbst sein Bild machen - denn das oben stehende ist nur meine kleine, persönliche Meinung´. Mein Fazit ist jedenfalls: B.A. Straubinger war gnädig. Von mir hätte dieser Film keine 5 Punkte bekommen.

Nemesis ist aber sicher nicht der schlechteste Star Trek Film. Die Filme 1, 3 und 5 waren noch schlechter. Allerdings waren alle anderen - inklusive 9 - besser. Und langsam finde ich mich damit ab, daß "First Contact" wahrscheinlich nie erreicht werden wird.
Thomas A. Pointner

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